Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  August 2020 ***



CSD unter Maske...



Olga Popova

es waren gefühlte Tropentemperaturen mit einer schwül-nassen Luftfeuchtigkeit, der Tod für jedes Make-Up und auch Puder versagte zunehmend bei den Schweissperlen, die der Körper als Kühlversuch nach außen entliess. Das Deodorant gab sein Bestes, aber auch ihm sind Grenzen gesetzt. Ja, auf meinen Iltis-Pelz habe ich verzichtet, aber die getönte Brille stets aufgezogen. Noch etwas ist derzeit wegen Covid-19 aufzuziehen, eine Mund-Nasen-Bedeckung, kurz Maske genannt. Auch ohne Iltis-Pelz hitzte ich mich auf und nein, es war kein Fall für das Infrarot-Fieberthermometer. Es war schlicht CSD im Kessel von Stuttgart, ohne Wind oder Lüftchen.
Die Organisation in Ehren, den CSD als Demonstration auch in Pandemie-Zeiten durchzuführen, doch alles mutete gegenüber der schillernd-bunten Parade und Feierlaune eher trist und bedrückend an. Reden und Tanzmusik ohne Tanz in vormarkierten Planquadraten zwecks Abstandsbildung. Wobei nach Auslass fast aller Teilnehmenden aus dem abgesperrten Bereich eine bemaskete Person mit blauer Perücke auf dem Stuttgarter Marktplatz die ihr verbliebene größte Bühne nutzte und allein auf weiter Flur Corona ohne Ansteckungsgefahr trotzte, ja nach Leibeskräften und Herzenslust tanzte. Der Abstand zu den Gittern und Zaungästen betrug das Vielfache von 1,50 Metern. Also keine Infektionsgefahr. Die Person tanzte sich völlig allein allen Frust aus dem Leib, Lebenslust pur.
Frau Popova, Frau Geier und Miss Understood sowie Nina waren außerhalb des Gitters beeindruckt - Ausdruck von Lebensfreude!
Überall finden CSD-Demonstrationsformate in Klein statt, auch zuletzt in Konstanz. Doch so viel Restenergie aus Zeiten vor Corona hat man selten erlebt. Üblicherweise wäre - ich nenne sie Madame Blue - sie im bunten Allerlei untergegangen, dieses Jahr war sie ein Fanal des Trotzes und Durchhaltevermögens mit Zukunftsblick in eine hoffentich heilere Zeit!
Diese Lebensenergie möchte hoffen lassen, dass wir eines Tages wieder unbeschwert werden feiern können. Was wir dafür beachten müssen sind die Hygieneregeln, vor allem den Abstand, um es leicht vergessenen Viren nicht zu leicht zu machen. Alles fühlt sich so normal an, ohne normal zu sein. Vielerorts steigen die Fallzahlen von Infektionen wieder aus Nachlässigkeit. Wir wolen eine zweite Infektionswelle wie zum Beispiel in Australien oder auch Luxemburg vermeiden, sie würde uns zurückwerfen bis in den Lockdown-März.
Niemand möchte bei sommerlichen Temperaturen in einem Lockdown zuhause sitzen, schwitzen und ächzen oder bekannte Einschränkungen unseres täglichen Lebens hinnehmen. Also, es ist nicht allzu schwer verantwortlich zu handeln, damit uns allen ein Rückfall erspart bleibt. Eines Tages ist die Pandemie überwunden, aber unter welchen Opfern hängt von uns ab - und das sage ich auch in Richtung der Weltverschwörungstheoretiker, die Tatsachen verneinen möchten, in Richtung Unbelehrbarer, Berufsrevolutionäre und in Richtung Unsolidarischer sowie allzu Nachlässiger!
Auch im Urlaub endet Verantwortung für sich selbst und Mitmenschen nicht.
Wenn wir das beachten, können wir bald CSD feiern, wie wir ihn kennen - schillernd, bunt, etwas skurril, laut, einfach Party pur! Helft mit, dass wir das allesamt schaffen!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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